26.10.2026
Feierten gemeinsam die Gründung des Forums für türkische Gastgeber in Bayern, darunter unter anderem (v. l. hinten): Ali Evren von der Landeshauptstadt München, Christopher Riemensperger, Schatzmeister beim Dehoga Bayern, Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern, Reiner Hebermehl, Leiter des Forums internationale Gastgeber, Thomas Quiram, Regionalgeschäftsführer für Oberbayern beim Dehoga Bayern; (v. l. vorne): Mehmet Ali Amak, Co-Bürgermeister von Artuklu/Mardin, Nilüfer Çınarlı Mutlu Bürgermeisterin von Konak/İzmir, Murat Kemaloglu, türkischer Konsul, Hazal Can, türkische Vize-Konsulin, Cemal Cevizci, Leiter des Forums türkische Gastgeber und Kerstin Schreyer, Landtagsabgeordnete und Staatsministerin a.D.. Foto: Dehoga Bayern
Gastfreundschaft ist mehr als ein Geschäftsmodell: Sie schafft Begegnungen, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Verbindungen. Unter dem Motto „Genuss verbindet" hat der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern am 16. Oktober im Munich Marriott Hotel City West das Forum türkische Gastgeber gegründet. Gastgeberinnen und Gastgeber, Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Gäste aus der Türkei setzten damit ein Signal für gelebte Vielfalt und einen engeren unternehmerischen Austausch.
Im Mittelpunkt der Neugründung steht ein klarer Anspruch: Türkischstämmige Unternehmerinnen und Unternehmer im bayerischen Gastgewerbe sollen ihre Erfahrungen bündeln, Herausforderungen gemeinsam angehen und ihre Anliegen innerhalb der Branche sowie gegenüber der Politik besser vertreten können.
Dehoga Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert betonte, der Verband wolle allen eine Heimat bieten, die in Bayern mit Leidenschaft gastronomische Betriebe und Hotels führen – unabhängig von persönlichen oder familiären Wurzeln. Das Forum soll dabei politische Interessenvertretung leisten und auch konkrete Unterstützung im betrieblichen Alltag bieten und neue Vernetzungsmöglichkeiten eröffnen.
Wie groß der Beitrag türkischstämmiger Unternehmerinnen und Unternehmer für die regionale Wirtschaft ist, verdeutlichte Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. Rund 3.932 IHK-Mitglieder besitzen die türkische Staatsangehörigkeit. Mit 885 Mitgliedern stellt der Einzelhandel die größte Gruppe, gefolgt von der Gastronomie mit 553 Mitgliedern. Auch beim Nachwuchs ist diese Bedeutung sichtbar: In Oberbayern absolvieren 300 junge Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit eine Ausbildung; 47 davon in Hotellerie und Gastronomie. Menschen mit türkischen Wurzeln und deutschem Pass sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten. Gößls Botschaft: Hinter der Statistik stehen Menschen, die Betriebe aufbauen, Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft aktiv mitgestalten. Gute Kontakte seien dabei eine ebenso wichtige Zutat für den Erfolg wie gute Ideen.
Die politischen Beiträge unterstrichen die Rolle der Gastronomie als gesellschaftliche und touristische Brücke. Staatssekretär Tobias Gotthardt würdigte in einer Videobotschaft die wirtschaftliche Kraft und Gastfreundschaft türkischstämmiger Unternehmerinnen und Unternehmer. Ihre Betriebe stärkten Standorte, schafften Beschäftigung und bereicherten Bayern als Gastgeberland.
Kerstin Schreyer, Landtagsabgeordnete und Staatsministerin a. D., hob die verbindende Kraft des Tourismus hervor. Gemeinsame Mahlzeiten und persönliche Begegnungen schafften Vertrauen und eröffneten Räume für internationale Zusammenarbeit. Gerade in wirtschaftlich und politisch anspruchsvollen Zeiten könne das Forum dazu beitragen, Bayern als weltoffenes und attraktives Gastgeberland zu profilieren.
Dass die deutsch-türkischen Beziehungen weit über offizielle Gespräche hinausreichen, betonte auch der türkische Konsul Murat Kemaloglu. Getragen würden sie vor allem von Menschen, die im Alltag Brücken zwischen beiden Ländern bauen. Das neue Forum gebe diesem Miteinander eine belastbare Basis – für dauerhafte Freundschaften ebenso wie für neue Partnerschaften. Impulse aus der Türkei machten zugleich die Bandbreite der kulinarischen und touristischen Anknüpfungspunkte sichtbar.
Mehmet Ali Amak, Co-Bürgermeister von Artuklu in der Provinz Mardin, stellte das jahrtausendealte und multikulturelle Erbe seiner Heimat vor. Die regionale Küche reiche weit über Döner und Kebab hinaus und verbinde handwerkliche Traditionen, lokale Produkte und gewachsene Rezepturen. Seine Einladung nach Mardin richtete sich damit auch an Gastgeber in Bayern, die fachlichen Austausch und neue touristische Kontakte suchen.
Nilüfer Çınarlı Mutlu, Bürgermeisterin von Konak in İzmir, rückte die ägäische Küche und das kulturelle Erbe ihres Bezirks in den Fokus. Historische Orte wie der Kemeraltı-Basar und die Kordon-Promenade stünden für die Verbindung von Geschichte, Lebensfreude und Gastfreundschaft. Küchenchef Ayvaz präsentierte gemeinsam mit İbrahim Ocak, Präsident des Baştek-Ankara-Verbandes, regionale Spezialitäten aus Tokat.
Mit dem Forum türkische Gastgeber erweitert der Dehoga Bayern sein internationales Netzwerk. Neben den bereits bestehenden vietnamesischen und italienischen Foren entsteht eine weitere Plattform, die unternehmerische Vielfalt im Gastgewerbe sichtbar macht und stärkt.
Der Anspruch geht über einen einzelnen Gründungsabend hinaus: Das Forum soll dauerhafte Kontakte ermöglichen, Erfahrungen aus der Praxis zusammenführen und neue Kooperationen zwischen Bayern und der Türkei anstoßen. Für die Branche ist das ein wichtiges Signal. Denn gerade Hotellerie und Gastronomie leben von Menschen, von Austausch – und von der Fähigkeit, Gäste an einem gemeinsamen Tisch zusammenzubringen.
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