28.10.2026

Mut zur Veränderung gefragt

Der Erhalt der Minijobs war nur eine der zahlreichen Botschaften, die vom Bayerischen Gastgebertag ausgingen. Fotos: Hendrik Steffens

Wirtschaftliche Herausforderungen, veränderte Gästeerwartungen und neue Perspektiven für die Branche standen beim Bayerischen Gastgebertag am 27. Oktober in Bamberg im Mittelpunkt. Vertreter aus Politik, Gastronomie und Wissenschaft diskutierten über die Zukunft des Gastgewerbes und zeigten auf, welche Chancen in regionaler Identität, unverwechselbaren Konzepten und gelebter Gastfreundschaft liegen.

Mit mehr als 700 Anmeldungen verzeichnete der Bayerische Gastgebertag in Bamberg eine große Resonanz. Zur Eröffnung blickte Dehoga-Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert auf gleich zwei Jubiläen: Seit zehn Jahren gibt es den Gastgebertag, ebenso lange steht Angela Inselkammer an der Spitze des Verbandes. Als einen der wichtigsten Erfolge der Verbandsarbeit bezeichnete Geppert die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 7 % auf Speisen. Sie sei für viele Betriebe überlebenswichtig und zugleich ein Konjunkturprogramm für die "schönste Branche der Welt".


Dass der Dehoga auch künftig als starke Stimme des Gastgewerbes gefordert sei, machte Geppert am Beispiel der Minijobs deutlich. Er kritisierte die Pläne der Bundesregierung, geringfügig Beschäftigte stärker zur Finanzierung der Sozialversicherung heranzuziehen. Fast 95 % der Minijobber übten ihre Tätigkeit neben einer regulären Beschäftigung, der Rente oder einer Ausbildung beziehungsweise einem Studium aus. Nur ein kleiner Teil stehe dem regulären Arbeitsmarkt zur Verfügung. Dennoch seien Änderungen für alle vorgesehen.


Unterstützung für die Forderungen des Verbandes kam von Ministerpräsident Dr. Markus Söder. In einer Videobotschaft betonte er die enge Verbundenheit von Bayern und Gastronomie sowie die gute Zusammenarbeit zwischen dem Dehoga Bayern und der Staatskanzlei. Zugleich sprach er sich für den Erhalt der Minijobs und flexiblere Arbeitszeiten aus.

Wirtschaftliche Perspektiven sichern

Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer rückte die wirtschaftliche Situation der Branche in den Mittelpunkt. „Volle Hotels und Häuser bieten noch lange keine vollen Kassen", betonte sie mit Blick auf steigende Kosten und bürokratische Belastungen. Neben einer flexiblen Wochenarbeitszeit forderte sie vor allem den Verzicht auf neue Tourismusabgaben. Stattdessen müsse der Tourismus als kommunale Pflichtaufgabe verankert werden. "Tourismus kann nicht wirtschaftlich unverzichtbar und politisch verzichtbar sein."

Bayerns Tourismusministerin Michaela Kaniber warb hingegen dafür, im Rahmen des Dialogprozesses "Bayern Vision Tourismus" auch neue Finanzierungsmodelle ergebnisoffen zu diskutieren. "Bitte, bitte, zieht nicht jetzt schon rote Linien ein", appellierte sie an die Branche. Ziel sei es, die touristische Infrastruktur und die Wettbewerbsfähigkeit Bayerns langfristig zu sichern.

Regionalität als Wettbewerbsvorteil

Welche Chancen in der konsequenten Besinnung auf die eigenen Stärken liegen, verdeutlichte Sternekoch Alexander Herrmann. Er zeichnete die Entwicklung der gehobenen Küche von internationalen Einflüssen bis zur Wiederentdeckung regionaler Produkte nach. Ein wichtiger Wendepunkt sei die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gewesen, als internationale Gäste die Qualität deutscher Lebensmittel besonders würdigten.

In seinen Betrieben in Wirsberg setzt Herrmann seit Jahren auf die enge Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern. Diese Beziehungen mussten allerdings erst aufgebaut werden. Ein eigener Foodscout half dabei, Landwirte als Partner zu gewinnen. Zugleich entwickelten die Köche Verfahren, um saisonale Produkte durch Einlegen und Fermentieren länger verfügbar zu machen.

Angesichts steigender Kosten und veränderter Gästeerwartungen müssen jedoch auch erfolgreiche gastronomische Konzepte immer wieder hinterfragt werden. "Persönlichkeit schlägt Perfektion", lautete Herrmanns zentrale Botschaft. Handwerkliche Qualität bleibe unverzichtbar, entscheidend sei aber ein unverwechselbares Angebot. Dazu gehöre auch, traditionelle Wirtshausgerichte neu zu bewerten und ihren handwerklichen Aufwand angemessen zu honorieren.

Die Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten unterstrich auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, der digital zugeschaltet war. Regionale Lebensmittel stärkten Landwirtschaft und Gastgewerbe gleichermaßen. Sein Appell: "Kaufen und Genießen, wo es wächst."

Atmosphäre schafft Gästeerlebnisse

Wie stark die Wahrnehmung eines Restaurants von seiner Gestaltung abhängt, erläuterte Wirtschaftspsychologe und Neuroästhetik-Experte Stefan Suchanek. Der erste visuelle Eindruck und die Atmosphäre eines Restaurants seien häufig ausschlaggebend dafür, ob Gäste ein Lokal betreten, erklärte Suchanek.

Dabei müssten Verbesserungen nicht zwangsläufig hohe Investitionen erfordern. Suchanek empfahl, insbesondere auf Symmetrie, Kontraste und Vitalität zu achten. Schon eine veränderte Möbelanordnung, gezielt eingesetzte Pflanzen oder eine bessere Beleuchtung könnten die Wirkung eines Raumes verändern.

Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Licht. Entscheidend sei nicht allein die Helligkeit, sondern vor allem die Farbwiedergabe. Schließlich könne selbst ein hervorragend zubereitetes Gericht durch ungünstige Beleuchtung an Attraktivität verlieren. 

Seine Quintessenz: Wer die Atmosphäre seines Betriebs gezielt gestaltet, kann die Aufenthaltsqualität verbessern und positive Erinnerungen schaffen, die Gäste zur Wiederkehr bewegen.

Mut zur Veränderung

Mit einem Plädoyer für Zuversicht und Offenheit setzte Keynote-Speakerin Greta Silver den Schlusspunkt. Gerade Unternehmer hätten durch Investitionen, Betriebsübernahmen und die Bewältigung von Krisen längst bewiesen, dass sie mutig seien. Statt sich ausschließlich auf Schwierigkeiten zu konzentrieren, gelte es, neue Möglichkeiten zu erkennen. "Jammern in der Dauerschleife ist eine Umweltbelastung", erklärte Silver.

Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit der Generationen. Ältere Beschäftigte brächten Erfahrung mit, jüngere neue Perspektiven. „Wir brauchen alle. Der eine ersetzt nicht den anderen." Auch künstliche Intelligenz betrachtete Silver als Chance. Denn je mehr Aufgaben technische Systeme übernähmen, desto wichtiger würden menschliche Fähigkeiten wie Empathie und persönliche Zuwendung.

Damit schloss sich der Kreis zum Ausgangspunkt des Gastgebertages. Denn bei allen wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen bleibt Gastfreundschaft die eigentliche Stärke der Branche. Oder wie es Angela Inselkammer formulierte: "Das Gefühl, wirklich willkommen zu sein, schaffen nur wir Menschen."