27.08.2026

15 % mehr Unternehmensschließungen im Gastgewerbe

Dr. Marcel Klinge, Vorstandssprecher der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG). Foto: DZG

Die Zahl der Unternehmensschließungen im deutschen Gastgewerbe ist 2025 um 15 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Gut 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen stellten ihre Tätigkeit ein. Damit verzeichnete die Branche unter den untersuchten Wirtschaftsbereichen den stärksten Anstieg.

Die Zahlen stammen aus der gemeinsamen Untersuchung "Unternehmensschließungen 2025" von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr rund 188.000 Unternehmen geschlossen. Das waren 10 % mehr als 2024.


"Ganze 15 % mehr Unternehmensschließungen innerhalb eines Jahres sind ein deutliches Warnsignal", erklärt Dr. Marcel Klinge, Vorstandssprecher der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG). "Wir verlieren damit – vor allem im ländlichen Raum – wirtschaftliche Substanz, die sich nicht einfach wieder aufbauen lässt. Das trifft Arbeitsplätze, Innenstädte, Ortskerne und Tourismusregionen in allen Ecken Deutschlands."


Nicht jede Schließung ist eine Insolvenz


Unternehmensschließungen dürfen nicht mit Insolvenzen gleichgesetzt werden. Über sämtliche untersuchten Wirtschaftsbereiche hinweg entfielen 2025 lediglich 13,4 % der erfassten Schließungen auf ein Insolvenzverfahren. Rund 87 % der Unternehmen stellten ihre Tätigkeit ohne ein solches Verfahren ein.


Die Untersuchung zeigt zudem, dass 2024 und 2025 vermehrt Unternehmen mit mittlerer oder guter Bonität aus dem Markt ausschieden. Als mögliche Ursachen werden unter anderem Arbeitskräftemangel, Wettbewerbsdruck und fehlende Nachfolger genannt. Für das Gastgewerbe kommen die Konsumzurückhaltung und die angespannte wirtschaftliche Lage hinzu.


Negative Bilanz seit 2020


Eine separate Auswertung der DZG auf Grundlage der Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt auch längerfristig eine negative Entwicklung. Von 2020 bis einschließlich Juni 2026 wurden im Gastgewerbe 206.301 Gewerbe neu gegründet und 223.336 vollständig aufgegeben. Daraus ergibt sich ein negativer Saldo von 17.035 Betrieben.


Besonders stark betroffen ist nach Berechnung der DZG die Gastronomie. Dort überstieg die Zahl der vollständigen Gewerbeaufgaben die Zahl der Neugründungen im betrachteten Zeitraum um 16.675. Die amtliche Gewerbeanzeigenstatistik beruht allerdings auf einer anderen Datengrundlage und Methodik als die Untersuchung von Creditreform und ZEW.


Leichtes Plus im ersten Halbjahr


Für die ersten sechs Monate 2026 weist die DZG-Auswertung erstmals ein vorsichtig positives Ergebnis aus: 19.273 Neugründungen standen 18.259 vollständigen Gewerbeaufgaben gegenüber. Der Saldo lag damit bei plus 1.014 Betrieben. Ob sich daraus eine dauerhafte Trendwende entwickelt, lässt sich nach Einschätzung der Denkfabrik noch nicht beurteilen.


"Die ersten Gründungszahlen für 2026 machen auf jeden Fall Mut. Eine echte Trendwende haben wir aber erst, wenn neue Unternehmen dauerhaft am Markt bestehen und zugleich weniger bestehende Betriebe aufgegeben werden", betont Klinge.


Die DZG fordert von der Bundesregierung unter anderem einen Abbau bürokratischer Belastungen, bezahlbare Energie sowie bessere Bedingungen für Investitionen und Unternehmensnachfolgen. Konkrete Vorschläge hat die Denkfabrik nach eigenen Angaben in einem 11-Punkte-Wachstumsprogramm zusammengefasst. Darüber hatten wir am 7. August berichtet.


www.zukunft-gastwelt.de