01.07.2026

Breite Allianz kämpft für den Erhalt der Minijobs

Bild: KI-generiert

Der Widerstand gegen die Reformpläne der Alterssicherungskommission wächst. Neun bayerische Wirtschaftsverbände aus Gastronomie, Handel, Handwerk, Brauwirtschaft, Tourismus, Logistik und weiteren Branchen fordern gemeinsam den Erhalt der bisherigen Minijob-Regelung. Sie sehen das bewährte Beschäftigungsmodell als unverzichtbar für Beschäftigte und Betriebe.

Mit einem gemeinsamen Positionspapier wenden sich neun Wirtschaftsverbände gegen die Empfehlung der Alterssicherungskommission, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs abzuschaffen. Betroffen wären nach Angaben der Verbände rund 6,8 Mio. Menschen in Deutschland, darunter mehr als 1,2 Mio. in Bayern.


Nach Angaben der Allianz nutzen viele Menschen Minijobs nicht als Ersatz für eine Vollzeitbeschäftigung, sondern als freiwillige Möglichkeit zum Hinzuverdienst. Rund 3,56 Mio. Minijobber verfügen bereits über einen Hauptberuf, 1,81 Mio. befinden sich im Rentenalter oder kurz davor und 1,19 Mio. sind jünger als 25 Jahre. Lediglich 5,3 % möchten ihre Tätigkeit überhaupt in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln.


Besonders betroffen wären aus Sicht der Verbände Branchen mit hohem Personalbedarf und schwankender Auslastung – darunter Gastronomie, Hotellerie, Handel, Handwerk, Tourismus, Logistik und Pflege. Minijobs ermöglichen dort flexible Personaleinsätze und helfen, Saisonspitzen, Veranstaltungen und Wochenenddienste zuverlässig abzudecken.


Für das Gastgewerbe sind Minijobs unverzichtbar. "Leistung verdient Wertschätzung – nicht zusätzliche Hürden. In Hotellerie und Gastronomie leisten Minijobberinnen und Minijobber einen unverzichtbaren Beitrag, ob am Wochenende, bei Veranstaltungen oder in Saisonzeiten. Wer freiwillige Mehrarbeit schwächt, schwächt auch die Betriebe und ihre Beschäftigten", erklärt der Dehoga Bayern.


Auch das Bayerische Bäckerhandwerk warnt vor den Folgen einer Reform. "Der Minijob funktioniert, weil sich zusätzliche Arbeit lohnt. Wer den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus abschafft, verändert genau diesen Anreiz. Damit wird Arbeit nicht gestärkt, sondern unattraktiver gemacht."


Der Bayerische Brauerbund verweist darauf, dass Minijobs bereits heute grundsätzlich rentenversicherungspflichtig sind und Arbeitgeber erhebliche Pauschalabgaben leisten. "Für die meisten Menschen ist der Minijob keine Form der Altersvorsorge, sondern eine flexible Möglichkeit, zusätzliches Einkommen zu erzielen. Gerade bei Veranstaltungen, Festen und saisonalen Spitzen ist diese Flexibilität für Beschäftigte und Betriebe gleichermaßen wertvoll."


Die Verbände appellieren an die Bundesregierung, Empfehlung 26 der Alterssicherungskommission nicht in Gesetzgebung zu überführen. Der Minijob müsse als eigenständige Beschäftigungsform erhalten bleiben, damit sich freiwillige Mehrarbeit auch künftig lohne.


Getragen wird das gemeinsame Positionspapier vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern, dem Handelsverband Bayern, dem Metzger Handwerk Bayern, dem Landes-Innungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk, dem Bayerischen Brauerbund, Blauer Gockel – Bauernhof- und Landurlaub e. V., dem Wirtschaftsverband Deutscher Tanzschulunternehmen (WDTU), dem Fränkischen Weinbauverband e. V. sowie dem Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen BGL-Bayern.


Das gemeinsame Faktenblatt mit den Positionen und Hintergrundinformationen steht hier als PDF zum Download bereit.