24.06.2026
Dr. Thomas Geppert, Angela Inselkammer und Markus Suchert kritisieren die geplante Abschaffung der Minijobs. Fotos: Hendrik Steffens, Flo Huber, BdS
Die Vorschläge der Rentenkommission zur Reform der Alterssicherung stoßen im Gastgewerbe auf Kritik. Sowohl der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bayern) als auch der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) sprechen sich gegen eine Verteuerung oder Abschaffung von Minijobs aus. Die Verbände sehen darin ein wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung und zur Bewältigung von Nachfrageschwankungen.
Die Diskussion um die Zukunft der Minijobs gewinnt im Zuge der rentenpolitischen Debatte an Fahrt. Hintergrund sind Vorschläge der Rentenkommission, die unter anderem eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente sowie die Abschaffung der Minijobs ins Spiel bringen. Während einzelne Reformansätze von den Branchenvertretern begrüßt werden, stößt insbesondere der Umgang mit Minijobs auf deutlichen Widerstand.
Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer warnt vor den Folgen für das Gastgewerbe: "Minijobs müssen als flexible Beschäftigungsform erhalten bleiben. Sie helfen, Spitzenlasten abzudecken, saisonale Schwankungen zu bewältigen, dem demographischen Wandel abzufedern und vielen Menschen einen unkomplizierten Zuverdienst zu ermöglichen." Eine Verteuerung der Arbeitgeberanteile oder Einschränkungen für bestimmte Personengruppen würden Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen treffen.
Auch der Bundesverband der Systemgastronomie sieht Minijobs als unverzichtbaren Bestandteil des Arbeitsmarktes. BdS-Hauptgeschäftsführer Markus Suchert betont: "Minijobs verdrängen keine Vollzeitstellen, sondern aktivieren Arbeitspotenzial." Gerade für die personalintensive Systemgastronomie seien sie ein wichtiges Instrument, um Personal flexibel einzusetzen und Nachfrageschwankungen aufzufangen.
Beide Verbände verweisen darauf, dass Minijobs längst nicht nur von Schülerinnen und Schülern genutzt werden. Rentner, Menschen mit Nebentätigkeiten oder Beschäftigte in besonderen Lebenssituationen seien ebenfalls auf flexible Beschäftigungsmodelle angewiesen. Zudem böten Minijobs einen niedrigschwelligen Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Dehoga Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert bezeichnet Minijobs als "Teil der Lösung" in arbeitsintensiven Branchen. "Die Abgabenlast auf reguläre Arbeit ist zu hoch. Wer Minijobs verteuert, kuriert lediglich ein Symptom, verschärft aber die Ursache", so Geppert.
Suchert kritisiert darüber hinaus die Empfehlung einer verpflichtenden kapitalgedeckten Zusatzrente, finanziert durch zusätzliche Beiträge von Arbeitgebern und Beschäftigten. Mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge könne sinnvoll sein – allerdings nur auf freiwilliger Basis. In Zeiten ausufernder Sozialbeiträge können zusätzliche Pflichtbeiträge, die Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen belasten, nicht die Lösung sein. "Für die Betriebe der Systemgastronomie würde dies einen weiteren Anstieg der ohnehin schon hohen Lohnnebenkosten bedeuten, während den Beschäftigten weniger Netto vom Brutto bliebe. Das setzt keine Anreize für mehr Beschäftigung, sondern verteuert Arbeit und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts."
Sowohl Dehoga Bayern als auch BdS fordern daher, Beschäftigung attraktiver zu machen, statt neue Belastungen zu schaffen. Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik müssten Anreize für Arbeit setzen und den Betrieben ausreichend Flexibilität ermöglichen, um auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes reagieren zu können.
www.dehoga-bayern.de | www.bundesverband-systemgastronomie.de
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