Familienbande mit Mut und Wein

Mit Julia und Moritz Braun führt die dritte Generation das Weingut am Kreuzberg fort. Foto links: Tim Birkner. Foto rechts: veronikaeschweiger.com

Ihre Gold-Weine heißen "Goldenes vom Ei" oder "Mein Streich". Ihr Neubau von Geplan Design und arch22 liegt mitten im Weinberg und steckt voller Geschichten und Erlebnisse. Die Kunden erzählen sie weiter – und bringen oft ihre heimischen Gastronomen dazu, Weine vom Weingut am Kreuzberg mit auf die Karte zu nehmen. Ein Besuch bei Familie Braun in Nordheim am Main. Von Tim Birkner.

Familienbande mit Leidenschaft für Wein

Als erstes geht es um den Wein. Ihn hat Familie Braun seit drei Generationen in den Mittelpunkt ihres Schaffens gestellt. Mit Nachdenken und Mut haben erst die Großeltern, dann die Eltern und nun Moritz und Julia Braun den Betrieb entwickelt. Mit Geplan Design und arch22 haben sie 2024 zwei exklusive Chalets gebaut, 2025 zu Pfingsten wurde die neue Vinothek, GENUSS.BAR und Kochwerkstatt eröffnet.

"Die Räume müssen flexibel sein und sie sind nur für unsere eigenen Veranstaltungen", erzählt Julia Braun bei einem Rundgang durch die alten und neuen Räumlichkeiten. Sie zeigt die wegweisenden Überlegungen der Schwiegereltern mit der gleichen Begeisterung wie ihren Neubau. "Wir machen Wein und wollen Wein verkaufen. Daran müssen sich alle Investitionen messen lassen", sagt sie.

Um die Liebe zu ihrem Beruf, die Leidenschaft für den Wein und ihre Gäste zu verstehen, taucht man am besten in die Familienbande ein. Zu Beginn seines Weinbau-Studiums bekam Moritz von seinen Eltern einen Weinberg im Nordheimer Vögelein. "Mach da, was du willst, probiere Dich – nur verkauf es dann auch", hat sein Vater zu ihm gesagt. Freiheit auf der einen Seite, viel Mut und Kreativität dazu und auf der anderen Seite immer die Wirtschaftlichkeit im Blick: So funktioniert das Weingut am Kreuzberg in Nordheim am Main.

"Mein Streich" heißt der Silvaner heute in Anlehnung an die Streiche von Max und Moritz. Er reift im Holzfass fünf Meter unter der Erde. Daneben steht noch ein Beton-Ei aus Frankreich, in dem ein anderer Silvaner ausgebaut wird. "Goldenes vom Ei", nennen ihn die Brauns. Für beide Weine haben sie eine Goldmedaille bekommen – sogar den "Best of Franken", der unter allen Goldmedaillen verliehen wird.

Muschelkalk, Holz und Lehm

Wie muss ein Haus aussehen, das zu so einem Wein passt? Das Hotel Jungbrunn im Tannheimer Tal war eines ihrer Vorbilder. "Das ist auch von Geplan Design – also haben wir dort angerufen und miteinander geredet", sagt Braun. Sie kamen und blieben, begeistert von der Denkarbeit, die die Brauns bereits geleistet hatten. "Muschelkalk, Holz und Lehm, das waren die Materialien, die wir wollten. Das ist unsere Heimat, das sind wir – das war uns ziemlich schnell klar", so Julia Braun. Sie streicht über die Muschelkalkplatte der Vinothek, die Wände sind aus silbrig-grauem Lehmputz. Über die großen Fensterfronten ist der Weinberg zu sehen und mittendrin die beiden Chalets, Wände und Dächer sind mit Holz verkleidet. "Das sind Eichenbretter aus unserem eigenen Wald. Mit einem mobilen Sägewerk haben wir sie hier vor Ort gesägt", erzählt Julia Braun. Um die Ecke zieht sich der Gastraum der GENUSS.BAR. Innen und Außen wachsen durch viel Glas zusammen. 45 Plätze gibt es, das war der Familienbande wichtig. Denn die Eltern wollten wie bislang noch die Möglichkeit haben, auch Busse zu einer Weinprobe einzuladen. Im hinteren Teil steht noch ein Küchenblock frei – hier finden Kochkurse statt.

Die wichtigste Reise haben Julia und Moritz Braun mit den Eltern kurz vor Corona unternommen. Während ihres Studiums waren die beiden zwei Monate in Südafrika. "Von den Weingütern dort wollten wir uns etwas abschauen. Wir wussten, die Eltern können wir nur überzeugen, wenn sie das selbst gesehen haben", blickt Julia Braun zurück. Der Plan ging auf. Die Pandemie konnte die Familie nutzen, alle Ideen durchzukneten, zu verwerfen, wieder neu zu überlegen. Der Kreis war groß und am Ende war es an Julia und Moritz zu sagen: "So machen wir das jetzt."

Nun liegen Vinothek und Chalets mitten im Weinberg – bis zu vier hat die Gemeinde am Ortsrand genehmigt. Die Ideen aus Südafrika gehen im Konzept weiter. Tagsüber dreht sich alles um den Wein, mit Führungen, Verkostung, Kuchen und kleinen Speisen, abends ist Schluss. "Wir wollen das so planen, dass wir mit den Kräften, die wir als Familie haben, unser Weingut dauerhaft bewirtschaften können", so Braun.

Wein, Kulinarik und Events

Julia steht mit ihrer Mutter und Schwiegermutter in der Küche. Ihr Onkel ist federführend für die kulinarischen Events wie die Kochkurse verantwortlich. Wildschweinschinken, Rehbeiser und Hirschsalami gibt es aus der eigenen Jagd. Moritz' Schwestern helfen, wenn es notwendig ist. Der Weinverkauf ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, die GENUSS.BAR von Mittwoch bis Samstag, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Während die Schwiegereltern noch sagten "Bei uns ist immer jemand da", merken Julia und Moritz Braun, dass Freiräume notwendig sind und kommunizieren das klar. Sie fokussieren sich auf das, was sie können und wollen.

"Wir machen hier nur unsere eigenen Veranstaltungen", sagt Julia Braun. Während der Saison haben die Weinberge Vorrang. "Von November bis Februar haben wir dann Zeit, um beispielsweise Kochkurse anzubieten."

Unterwegs zu den Kunden

Viermal im Jahr fahren die Brauns seit Jahren ihren Wein aus. Der Sprinter ist dann dorthin unterwegs, wo die Kunden wohnen. Sie sind in Marktoberndorf im Allgäu, in München oder im Fichtelgebirge, in Hannover und Hamburg zu finden. Sie erzählen die Geschichten vom Kreuzberg gerne und erfolgreich weiter. "Zuerst beliefern wir dann noch Freunde und Nachbarn, dann oft auch deren Lieblings-Gastronomen in diesen Regionen", so Braun. Sie gehen nicht so gern auf Messen – das ist ihre Alternative.

Wem es gefällt, der erzählt es weiter

Der umgekehrte Weg funktioniert ebenfalls. Wer nicht mit dem Auto anreisen möchte, kann mit dem Fahrrad kommen, denn der Mainradweg liegt ganz in der Nähe. Oder die Gäste nutzen den öffentlichen Nahverkehr, der Nordheim – und damit auch das Weingut am Kreuzberg – im Stundentakt nach Volkach und Kitzingen anbindet.

Die beiden Chalets liegen mit eigenem Hot Tub mitten im Weinberg – die meisten Buchungen erfolgen durch Empfehlungen. Darauf setzt die Familie Braun. Im ersten Jahr lag die Auslastung bei 65 %. Wem es gefällt und wem der Wein schmeckt, der erzählt es weiter.

Weitere Informationen

Mehr zum Weingut am Kreuzberg finden Sie unter:

www.weingutamkreuzberg.de

 

Der Artikel ist in der Ausgabe 3/2025 des Gastronomie-Report erschienen.